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Die Evolution kann nicht ewig irgendwo anders stattfinden.
Doch das ist der Eindruck, den die fossile Dokumentation
auf manch einen verzweifelten Paläontologen,
der etwas über die Evolution lernen wollte, gemacht hat.

Niles Eldredge (aus Time Frames. The Evolution of Punctuated)

Der Fossilbericht - Lückenhaftes Zeugnis oder Dokumentation abgestufter Schöpfung?

Eine der tragenden Säulen der Evolutionstheorie ist die Annahme, dass sich die Fortentwicklung des Lebens in einer Vielzahl sehr kleiner Schritte vollzieht. Wenn Charles Darwin vom survival of the fittest spricht, meint der damit jene Individuen, die infolge winziger Veränderungen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz im gemeinsamen Lebensraum erlangen, wobei als »Tüchtigster« nach der Deszendenztheorie - der Abstammungstheorie, nach der die höheren Lebewesen aus niederen hervorgegangen sind - derjenige gilt, der die meisten Nachkommen hervorbringt. Praktisch alle Baupläne, die wir heute auf der Erde vorfinden (oder die schon wieder ausgestorben sind), sollen im Laufe von Jahrmillionen aus diesem fortdauernden Prozess von Variation und Selektion hervorgegangen sein. Demnach muss es vom ersten Einzeller bis zum Menschen oder zu anderen komplexen Organismen eine ununterbrochene Kette von kleinen und kleinsten Änderungschritten gegeben haben, die zusammen genommen den Stammbaum der jeweiligen Art ergeben. Hat es dagegen eine separate Schöpfung von untereinander kreuzbaren Grundtypen gegeben, sollten wir im Fossilbericht plötzlich auftretende, fertig augebildete Baupläne ohne durchgängige Übergangsformen vorfinden.

Der Fossilbericht legt eher die zweite Vermutung nahe, was schon für Charles Darwin ein unbequemes Faktum darstellte. Er fragte sich: »Warum wimmelt also nicht jede geologische Formation und jede Schicht von Zwischengliedern? Die Geologie zeigt uns keineswegs eine ununterbrochene Kette organischer Wesen, und das ist vielleicht der ernsthafteste Einwand, der gegen meine Theorie erhoben werden kann.«

Weiter räumt er ein: »Die geologischen Urkunden [sind] im Ganzen äußerst unvollkommen ... Beschränken wir aber unsere Aufmerksamkeit auf eine einzelne Formation, so verstehen wir noch schwerer, warum sich keine genau abgestuften Varietäten zwischen den verwandten Arten finden ... Es gibt noch eine ähnliche Schwierigkeit, die viel ernster ist. Ich meine die Art und Weise, in der zu verschiedenen Hauptabteilungen des Tierreiches gehörende Arten plötzlich in den ältesten der bekannten fossilführenden Schichten auftreten ... Auf die Frage, warum wir in der vorkambrischen Zeit keine reichen fossilführenden Ablagerungen finden, vermag ich keine befriedigende Antwort zu geben« (Die Entstehung der Arten, Charles Darwin, übersetzt von Carl W. Neumann [Stuttgart, 1963], S. 446, 462, 463).


Wäre ein Bullog, eine Chimäre aus Bulle und Frosch, ein stichhaltiger Beweis für Makroevolution?
(Bild mit freundlicher Genehmigung von www.IntelligentDesignVersusEvolution.com)

Was Darwin hier anspricht, ist unter der Bezeichnung »kambrische Explosion« bekannt. Zu Beginn der kambrischen Zeit, nach allgemeiner Ansicht vor ungefähr 540 Millionen Jahren, tauchen plötzlich und explosionsartig voll entwickelte Lebensformen auf. Lange wurde dieses Phänomen damit erklärt, dass Organismen, die weder über ein inneres noch ein äußeres Skelett verfügen, also nur aus Weichteilen bestehen, nicht fossilieren, nicht versteinern würden. Inzwischen ist dieser Irrtum widerlegt. Es gibt es gibt buchstäblich Milliarden und Abermilliarden fossiler Mikroorganismen von weniger als einem Millimeter Größe. In der vorkambrischen Zeit finden sich hauptsächlich Einzeller und weniger komplexe Baupläne. Deutet man den Fossilbericht im Sinne der Schöpfungslehre, entspricht die »kambrische Explosion« genau den Erwartungen. Hingegen existieren noch keine überzeugenden evolutionstheoretischen Erklärungen für das plötzliche Entstehen so vielfältigen und voll entwickelten Lebens.

Charles Darwin wusste um dieses Dilemma. Er meinte zudem, ein gut dokumentierter Fossilbericht müsste hauptsächlich aus Zwischenformen bestehen. Zu seiner Zeit, fand er aber das Gegenteil bestätigt. Natürlich war er trotzdem von der Richtigkeit seiner Theorie überzeugt. Er verschob die Beweisführung auf die Zukunft, indem er »die geologischen Urkunden für eine unvollkommene Geschichte der Erde« erklärte, ja sogar »in höchstem Grade unvollkommen.« Wie er hofften auch andere, im Laufe der Zeit würden die fehlenden fossilen Bindeglieder mit Sicherheit gefunden werden. Ist das der Fall gewesen?

Fast einhundertfünzig Jahre nach Erscheinen von Darwins bahnbrechendem Werk Entstehung der Arten sieht die Situation eher düsterer aus. Viele Fossilien, die in der Vergangenheit für Bindeglieder gehalten worden waren, bilden nach heutiger evolutionistischer Deutung ganz eigene Arten auf Nebenzweigen der Stammbäume, die in Sackgassen münden. Noch immer werden die Übergangsserien, welche die Entwicklung einer Art vom frühen Stadium bis zur heutigen Form dokumentieren vermisst. Ist der Fossilbericht, wie oft behauptet wird, immer noch unvollständig?

Allein im britischen Naturhistorischen Museum lagern Versteinerungen von sieben Millionen Organismen. Colin Patterson, der Seniorpaleontologe und Leiter der Paleontologischen Abteilung des Museums (engl. Titel »Senior Principle Scientific Officer in the Paleontology Department of British Museum of Natural History«) meinte: »If I Knew of even one transitional fossil, I would have included it in the museum.« (»Wüsste ich von gerade einer fossilen Übergangsform, ich hätte sie im Museum ausgestellt.«) Weltweit sind in den Museen sogar etwa zweihundert Millionen Makrofossilien katalogisiert. Trotz dieses riesigen Zeugnisses, sucht man vergeblich nach zweifelsfreien Serien von Bindegliedern, selbst bei Gattungen, die zu 100% bis in unsere Zeit erhalten geblieben sind.

Der Genetiker Wolf-Ekkehard Lönnig, der bei der Entstehung des Roman Die Galerie der Lügen als wissenschaftlicher Berater tätig war, geht auf seiner Website auch auf das Zeugnis der Fossilien ein (http://www.weloennig.de/NeoB.Ana4.html und http://www.weloennig.de/NeoB.html). Am Beispiel der Säugetiere untersuchte er die Frage, wie gut dokumentiert der Fossilbericht ist: »Von den 771 in Grzimeks Tierleben aufgeführten Gattungen heutiger Säugetiere (Grzimeks Tierleben, Bde. 10-13, 1979)«, berichtet Lönnig, »sind 376 Gattungen auch fossil nachgewiesen (gezählt nach Carrol 1988 Vertebrate Paleontology and Evolution), das sind 48, 77% (Von den 123 rezenten [heute noch lebenden] Familien der Säugetiere sind 108 fossil überliefert, d.h. fast 88%.) Da wir pro Säugetiergattung im Durchschnitt etwa 4 Arten zählen (vgl. Details bei Dodson 1990), ist das Verhältnis der fossil nachgewiesenen Arten zu den übrigen (unter der dem Neodarwinismus wohlwollenden, aber unrealistischen Annahme, dass die fossilen Gattungen immer nur eine Art aufzuweisen haben) annähernd 1 : 7. Rechnet man mit durchschnittlich 2 fossilen Spezies pro fossiler Gattung (ein Wert, der der Wahrheit wesentlich näher kommen dürfte, - genaue Daten sind jedoch noch zu ermitteln), so ist das Verhältnis schon 1 : 3. Die Gesamtzahl der fossil überlieferten Säugetiergattungen (der ausgestorbenen und rezenten) beläuft sich auf derzeit 3377 (und die der fossil überlieferten Familien auf 316), d.h. die Gesamtzahl der fossil überlieferten Gattungen übertrifft die der lebenden (nach Grzimeks Systematik) um mehr als das Vierfache. Bei der postulierten kontinuierlichen Evolution über Tausende und Zehntausende von kleinen Mutationsschritten mit »only slight or even invisible effects on the phenotype« [»nur schwacher oder gar unsichtbarer Wirkung auf die äußere Erscheinungsform«] (Mayr) müssten bei diesen Zahlen massenhaft »Bindeglieder« zwischen den Familien und Ordnungen der Säugetiere vorliegen. Stattdessen treten zahlreich völlig neue Familien und Ordnungen auf, und der Paläontologe G.G. Simpson, der zusammen mit Jepsen in den 1940er Jahren den Neodarwinismus in die Paläontologie einführte, macht zur Frage nach dem Auftreten neuer Säugetierordnungen folgende bemerkenswerte Aussage:

›Das (die Diskontinuität, die »Überlieferungslücken«) gilt dann für alle 32 Ordnungen der Säugetiere und in den meisten Fällen ist der Bruch in der Überlieferung noch auffallender als im Falle der Perissodactylen [Unppaarhufer]. In den meisten Fällen ist der Bruch so scharf und die Lücke so groß, dass der Ursprung der (jeweiligen Säuger-) Ordnung spekulativ und viel diskutiert ist ...‹

Da rund die Hälfte der rezenten Säugetiergattungen bisher auch fossil nachgewiesen ist, kann man - als realistischen Ansatz zur Frage, wieviele Gattungen und Arten überhaupt existiert haben - die Zahl der fossil nachgewiesenen Formen in der Weise hochrechnen, dass man sie verdoppelt. Es bedarf nun aber keines großen Rechenaufwands, um zu schlussfolgern, dass man mit einer Verdoppelung der bisher als ›Bindeglieder‹ angesehenen Formen die bestehenden gewaltigen Lücken und Klüfte niemals schließen kann! Mit den Paläontologen Beurlen, Daque, Schindewolf, Kuhn u.a. schließe ich, dass die Lücken primär vorhanden sind. Bei den oben nach Kuhn noch wesentlich besser fossil überlieferten Formen ist die Dokumentation der Arten und Gattungen über weite Strecken praktisch vollständig, d.h. auch die Lücken zwischen den Typen und Subtypen sind in der Regel endgültig. Ist der Absolutheitsanspruch der neodarwinistischen Kontinuitätsidee tatsächlich berechtigt?

[...] Natürlich ist das Fossilmaterial lückenhaft. Die entscheidende Frage ist [...], ob es Tier- und Pflanzengruppen gibt, auf die diese Aussage nicht zutrifft und ob hier die Theorie bestätigt oder widerlegt wird. Der Paläontologe Oskar Kuhn schrieb z.B. 1965, p. 5 (ähnlich 1981 pp. 53/56):

›Das Vorurteil, dass die Stammesgeschichte nur eine Summierung kleinster Abänderungsschritte sein könne und bei entsprechender vollständiger Kenntnis der paläontologischen Urkunden die kontinuierliche Entwicklung zu beweisen sei, ist sehr tief eingewurzelt und weit verbreitet. Aber die paläontologischen Tatsachen sprechen schon lange gegen dieses Vorurteil! Gerade deutsche Paläontologen wie Beurlen, Daqué und Schindewolf haben mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass aus vielen Tiergruppen ein so reiches, ja geradezu erdrückendes fossiles Material vorliegt (Foraminiferen, Korallen, Brachiopoden, Moostiere, Cephalopoden, Ostracoden, Trilobiten usw.), dass man die nach wie vor zwischen den Typen und Subtypen bestehenden Lücken als primär vorhanden auffassen muss.‹

Ähnliche Beschreibungen des fossilen Materials liegen von folgenden Paläontologen vor: Steinmann 1908, Simpson 1944, 1953, 1984, Arnold 1947, Davies 1949, Romer 1949, Schindewolf 1950, 1965, Newel 1959, Bennison und Wright 1969, Müller 1976, Raup 1979, Gould 1980, Hoffman 1982, Erwin und Valentine 1984, Thomas und Spicer 1987 u.v.a.«
(eckige Klammern und fett Gedrucktes von mir).
 

Von darwinistischer Seite wird gerne das Bild vermittelt, die gefunden Fossilien weisen zahlreiche Bindeglieder auf, sodass sich daraus wunderbare Stammbäume nachweisen ließen. Selten geben Evolutionisten freiwillig die oben aufgeführten, wohl als endgültig anzusehenden Lücken zu. Eine dieser Ausnahmen war Stephen Jay Gould. Er nannte »die Tatsache, dass Übergangsformen im Fossilbericht extrem selten sind«, das »Berufsgeheimnis der Paläontologen«.

Wenn also, wie u.a. Kuhn meint, »die nach wie vor zwischen den Typen und Subtypen bestehenden Lücken als primär vorhanden auffassen muss«, dann erfüllt der Fossilbericht die Kriterien einer Dokumentation abgestufter Schöpfung, nicht aber die einer kontinuierlichen Höherentwicklung des Lebens. Aber nicht allein das Zeugnis der Versteinerungen belastet das darwinistische Paradigma. In der Natur findet man viele komplexe Systeme, die nur in der Gesamtheit ihrer einzelnen Komponenten funktionieren. Wenn Sie wissen möchten, inwiefern diese ein weiteres Problemfeld für die Evolutionstheorie darstellen, dann klicken Sie hier.



Letzte Änderung: 1.1.2014
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