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Zurück zum Roman »Die Galerie der Lügen«
Wenn ich scherzen will, sage ich die Wahrheit.
Das ist immer noch der größte Spaß auf Erden.

George Bernard Shaw

Ist der Mensch zu 99% ein Schimpanse?

Als wäre es der Beweis für die menschliche Evolution schlechthin, wird die Behauptung wie ein Mantra wiederholt: »Die Gene von Mensch und Schimpanse unterscheiden sich lediglich in einem Prozent.« Seit ich intensiv am Roman Die Galerie der Lügen zu arbeiten begonnen und dadurch bewusst auf diese angebliche Tatsache geachtet habe, ist sie mir tatsächlich unzählige Male untergekommen und zwar beileibe nicht nur in (populär-)wissenschaftlichen Werken. Ob Sciencefictionfilm oder Roman, überall wird die magische Formel repetiert. Die Wiederholung einfacher Aussagen ist ein Element der Propaganda, nicht der Wissenschaft. Eine Falschaussage oder eine Irreführung wird selbst durch tausendfache Repetition nicht wahrhaftig. Im konkreten Beispiel halte ich es für eminent wichtig, ob die 99%-Behauptung wahr ist und welche Implikationen sich daraus ergeben. Schließlich bleibt es ja selten bei der Aussage, oft werden Sätze nachgeschoben wie: »Um das menschliche Handeln zu verstehen, müssen wir zunächst das Verhalten der Schimpansen verstehen.« Oder: »Wir reagieren in einer Stresssituation so und so, weil unsere Vorfahren, die Affen, sich bei Gefahr so und so verhalten.« Bei genauerer Analyse fällt der spekulative Charakter vieler solcher Argumente auf. Sie folgen oft einem reflexhaft wiederholten Erklärungsmuster; ein empirischer Ansatz wird vorgegaukelt, dieser beschränkt sich jedoch auf die Feststellung des Phänomens. Anders ausgedrückt: Etliche Forscher verwenden viel Mühe auf das Sammeln von Daten zu einer beobachtbaren Wirkung, die Erklärung der Ursache jedoch steht von vornherein fest (siehe das Beispiel im Info-Kasten »Von Beweise und Zirkelschlüssen?«) .

>Name des Buches<
Junger Schimpanse
Zu 99% schon ein Mensch oder
eigenständige Schöpfung eines
intelligenten Designers?
(Foto: Drei Linden Film)

Ich halte es für Humbug, wenn behauptet wird, wir könnten die Tier- und Pflanzenwelt nur achten, wenn wir uns den geringen Unterschieds zu diesem Teil der Natur bewusst machen. Wie sehr achten wir denn Menschen anderer »Rassen«, ethnischer Gruppen, Nationalität, Religion, sozialer Schicht? Nicht das Gefühl die Krone der Schöpfung zu sein, macht uns zu Bestien, sondern ein bestialischer Charakter. Dieser sucht sich nur Rechtfertigungen. In einer Zeit, in der die Evolution verbreitet längst als Tatsache angesehen wird, werden weiterhin Tiere ausgerottet, der Regenwald abgerodet und die Umwelt verpestet. Wir können also ganz unbefangen an die Fragen herangehen, ob wir nur zu einem Prozent Mensch, aber zu 99% Schimpanse sind, und was dieser vermeintlich geringe Unterschied, so er denn tatsächlich besteht, zu bedeuten hat.

Es gab sogar eine Zeit, in der behauptet wurde, der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse betrüge null Prozent, wenn man auf die mitochondriale Ebene gehe. Mitochondrien sind so etwas wie die Kraftwerke der Zellen. Sie dienen der Energiegewinnung und verfügen über eine eigene DNA. Als man letztere durchsequenziert, also in ihre Basenfolge zerlegte, fand man plötzlich fast neun Prozent Unterschiede! Laut neueren Untersuchungen liegen das Genom des Menschen und das des Schimpansen deutlich weiter auseinander als nur ein Prozent. In den Wissenschaftsmagazinen The Scientist (27. Mai 2004 ) und Nature (429:382-338), die für ihre evolutionistische Grundhaltung bekannt sind, wurde dies unumwunden eingeräumt. Wie dort berichtet, hatte ein wissenschaftliches Konsortium das Chromosom 22 der Schimpansen untersucht, es ist das Gegenstück der Nummer 21 beim Menschen. Wie allgemein bekannt, sind sowohl am Aufbau der Chromosomen, vor allem jedoch an zahlreichen Funktionen im tierischen und menschlichen Körper Proteine beteiligt. Diese Eiweisstoffe sind, wie die Forscher des International Chimpanzee Chromosome 22 Consortium herausgefunden haben, zu 83% unterschiedlich! Selbst bevor diese neueren Daten vorlagen, wussten Experten bereits, dass der Grad der Unterschiedlichkeit bei über einem bis etwa fünf Prozent lag. Bisher hatten die Forscher sich indes ganz auf die Abfolge der Nukleotide, der Basen der DNA konzentriert. Das besagte Konsortium hatte jetzt auch die etwa achtundsechzigtausend genetischen Unterschiede berücksichtigt, die man mit mutationsbedingten Einfügungen oder Lösungen im Genom begründet.

Aktuelle Forschungsergebnisse vergrößern eher die Kluft zwischen dem Schimpansen und dem Menschen. Die Wissenschaftsjournalistin Lizzie Buchen veröffentlichte im Januar 2010 in der Zeitschrift Nature (463:149; online hier) unter dem Titel »Das launische Y-Chromosom« eine aufschlussreiche Zusammenfassung der Ergebnisse einer vollständigen Untersuchung des männlichen Geschlechtschromosoms. »Die gemeinsamen Y-Chromosomen des Schimpansen und Menschen unterscheiden sich horrend«, zitiert sie David Page vom Whitehead Institute für biomedizinische Forschung in Cambridge (Massachusetts), der die Untersuchung leitete. »Es sieht so aus, als hätte es eine dramatische Erneuerung oder Neuerfindung des Y-Chromosoms im Schimpansen und Menschen gegeben.« Weiter heißt es in dem Nature-Artikel: »Wie die früheren Studien vorgeschlagen hatten, sind viele der krassen Änderungen zwischen den Y-Chromosomen des Schimpansen und Menschen auf Genverluste im Schimpansen und Gengewinne im Menschen zurückzuführen. Pages Team fand heraus, dass das Y-Chromosom des Schimpansen nur zwei Drittel so viele ausgeprägte (distinct) Gene oder Genfamilien hat wie das menschliche Y-Chromosom und nur 47% so viele proteinkodierende Elemente wie der Mensch. Es wird angenommen, dass sich die Zahl der Gene in den restlichen Genomen des Schimpansen und Menschen in weniger als 1% unterscheiden. Weit erstaunlicher als der Genverlust ist die Neuanordnung großer Teile der Chromosomen.«

Dem unvoreingenommenen Leser wird auffallen, dass die Verwendung von Begriffen wie »Genverlust« oder »Neuanordnung« dem Umstand geschuldet sind, dass Wissenschaftsautoren heute im Allgemeinen die Evolution a priori voraussetzen. Anstelle von »Verlust« könnte man bei einer neutraleren Wortwahl auch einfach vom »Fehlen« von Genen sprechen und eine »Neuanordnung« lässt sich ebenso als »andere Anordnung« interpretieren.

Generell lässt sich feststellen, dass die Öffentlichkeit von den neueren Erkenntnissen bisher kaum Notiz genommen hat. Das Mantra vom Menschen, der zu 99% ein Schimpanse ist, wird weiter heruntergeleiert. Pascal Gagneux, Zoologe an der University of California in San Diego, räumt in einem Blog offen ein, der sogenannte »1%-Unterschied habe Wissenschaftlern viele Jahre gute Dienste geleistet. Fügt dann aber hinzu: »Jetzt ist es völlig klar, dass es mehr ein Hindernis für das Verständnis als eine Hilfe ist« (suche Beitrag »The Myth of 1%« vom Juni 2007 hier).

Angenommen, die Behauptung nur ein Prozent unserer Gene würden uns von dem Primaten unterscheiden, stimmte. Ergäben sich aus diesem Umstand zwangsläufig auch all die anderen Folgerungen, die unser Verhalten und zahlreiche anatomische Merkmale mit der äffischen Herkunft erklären? Zu welch absurden Schlussfolgerungen man sich unter konsequenter und logischer Fortführung dieser Argumentationslinie zwangsläufig versteigen muss, macht der Genetiker Wolf-Ekkehard vom Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (Köln) auf seiner Website (http://www.weloennig.de/mendel22.htm) auf beinahe humoristische Weise deutlich. Hier eine Zusammenhang seiner Ausführungen:

Info 

Shadow OR Informationen zu <Thema>

Von Beweisen und Zirkelschlüssen?

Warum Affenjungen lieber mit Polizeiautos spielen

Dr. Gerianne M. Alexander von der Texas A&M University hat das geschlechterspezifische Verhalten von Grünen Meerkatzen untersucht: Weibchen beschäftigten sich länger mit Puppen, die Männchen dagegen bewiesen eine stärkere Vorliebe für Autos. Nach Ansicht von Alexander wurden die »Verdrahtungen«, die sich in solchen Vorlieben der Affen äußern, schon in einem sehr frühen Stadium der Entwicklungsgeschichte festgelegt. Warum? Natürlich behauptet die Psychologin nicht, unsere auf Bäumen hausenden Vorfahren hätten schon mit Puppen und Polizeiautos gespielt. Vielmehr seien Autos und Bälle von ihrem Charakter her eher dynamische Spielzeuge, die den Bewegungsdrang ansprechen, der vor allem für die Jagd wichtig sei. Weibchen dagegen bevorzugten Formen und Farben, ein Verhalten, das der Aufzucht von Jungen zu Gute komme (siehe [2]). Alexanders Ansicht nach wurden die Spielzeuge für Menschenkinder von Gehirnen geschaffen, in denen diese vorzeitliche »Verdrahtung« immer noch aktiv ist. Der Beweis: Affenjungen spielen gerne mit Autos und Bällen und die -mädchen mit Puppen und Töpfen.

Ist dies tatsächlich ein Beweis? Eigentlich handelt es sich um einen Circulus vitiosus, einen Zirkelschluss: Zur Erklärung des Phänomens wird das Phänomen selbst herangezogen. Die Ausführungen über Jagd- oder Aufzuchtverhalten sind nur Staffage ohne eigentliche Beweiskraft. Das Problem liegt hier wie so oft in evolutionistischen Schlussfolgerungen in der Beliebigkeit des »Beweises«. Unzählige psychologische und physiologische Erscheinungen - das Fremdgehen von Ehemännern, aggressives Autofahren, Adrenalinschübe bei Computerspielen u.v.m. - lassen auf das Jagd- und Aufzuchtverhalten unserer vermeintlichen Vorfahren zurückführen. Es gibt jedoch weder eine Datenbasis, auf deren Grundlage solche Schlussfolgerungen erhärtet werden können, noch lässt sich belegen, wie durch das postulierte Verhalten neue Baupläne des Lebens entstanden sind, beispielsweise jene Gehirnregionen, die den Primaten vom Homo sapiens unterscheiden. Bisweilen drängt sich dem kritischen Betrachter der oben skizzierten darwinistischen Rhetorik der Eindruck auf, es gehe ihr einzig darum, sich unangreifbar zu machen. Damit allerdings würde die Evolutionstheorie das naturwissenschaftliche Fundament aufgeben und sich in die Nähe einer mystisch-philosophischen Lehre rücken. An dieser Stelle sei noch einmal an die Worte des Evolutionisten und Doppelhelix-Mitentdeckers Francis H. C. Crick erinnert:

»Eine Theorie, zu der alle Fakten passen, ist mit ziemlicher Sicherheit falsch, da einige der vorliegenden Fakten mit Sicherheit falsch sind.«

Und der spanisch-amerikanische Biologe und Philosoph Francisco J. Ayala schrieb:

»Eine Hypothese ist nur dann empirisch oder wissenschaftlich, wenn sie durch Experimente bestätigt werden kann. ... Eine Hypothese oder Theorie, die nicht wenigstens im Prinzip durch empirische Beobachtungen und Experimente falsifiziert werden kann, gehört nicht ins Reich der Wissenschaft.« [3]

Glaubt man dem Zoologen Pascal Gagneux (siehe links), dann könnte die Legende von der 99%-igen Übereinstimmung zwischen Mensch und Schimpanse in Wahrheit die naturwissenschaftliche Forschung blockiert haben. Anstatt das hehre Lied von der Suche nach den wahren Ursachen zu singen, wurde - und wird teilweise bis heute - ein allzu einschmeichelnder Kehrreim unablässig wiederholt.

Quellen:

[1] Spektrum der Wissenschaft Dossier 3/07, Seite 50.
[2] http://newsarchives.tamu.edu/stories/02/111802-10.html liefert Zusammenfassung der Untersuchungen von G. M. Alexander sowie ihre Schlussfolgerungen daraus.
[3] »Biological Evolution: Natural Selection or Random Walk?«, by Francisco J. Ayala, American Scientist, Vol. 62, November-December 1974, p. 700).

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Wenn Mensch und Schimpanse fast 100% ihrer Gene »teilen« - der sogenannte Genotyp also fast gleich ist -, wie kommt es dann, dass der Phänotyp doch so einige Unterschiede zeigt? Ist die Aussage überhaupt wissenschaftlich korrekt? Sollte sie stimmen, liegt dann die Abstammung des Menschen vom Schimpansen (oder einem gemeinsamen Vorfahren) nicht sehr nahe? Zumindest ist dieses Argument ziemlich suggestiv.

Die Sachbuchautoren J. und M. Gribbin haben die Ähnlichkeiten zwischen dem Menschen und dem Schimpansen auf der DNA- und Proteinebene zum Anlass genommen, ein Buch mit dem Titel zu schreiben: The One Per Cent Advantage - The Sociobiology of Being Human" (1988, Blackwell, Oxford). Das Buch verkaufte sich offensichtlich recht gut, so dass 1993 der Birkhäuser Verlag eine Übersetzung herausbrachte, betitelt: »Ein Prozent Vorteil. Wie wenig uns vom Affen trennt.« Zwei Jahre später ist es dann als Taschenbuch erschienen - nicht uninteressant ist dabei die Titelentwicklung. Das Buch heißt jetzt nur noch: »Wie wenig uns vom Affen trennt« (Insel Verlag, 1. Auflage 1995; Vertrieb durch Suhrkamp). Das ist es, was der Zeitgeist hören möchte und das ist es, was sich heute verkauft. Die Autoren schreiben auf den Seiten 13/14:

»Mensch zu sein impliziert letztendlich nichts anderes, als nach ähnlichen Verhaltensregeln wie alle übrigen Tiere zu leben. Denn die Ähnlichkeit mit anderen Arten, mit denen wir genetisch gesehen viel gemein haben, überwiegt bei weitem die Andersartigkeit ihnen gegenüber.«

Dieser Trend zieht sich durch das ganze Buch. Nach Erwähnung von Schimpanse und Zwergschimpanse stellen die Autoren auf Seite 21 fest: »Verglichen mit diesen Menschenaffen sind wir, in glatten Zahlen, nur ein Prozent Mensch und 99 Prozent Affe.« Um die Reduktion des menschlichen Verhaltens auf das der Tiere, bemühen sich die Verfasser auf den Seiten 37 und 38 wie folgt: »Die Verhaltensmuster sind bei Tieren eindeutig durch den DNS-Code in ihren Genen vorgegeben. Deshalb sollten wir davon ausgehen, dass auch das menschliche Verhalten - zumindest teilweise - ebenfalls von unserem genetischen Erbgut determiniert wird. Allerdings haben wir erwartet, dass sich unser Genom von dem der »niederen Kreaturen« gewaltig unterscheidet, sodass es sich dann nicht gelohnt hätte, diese Lebewesen zu studieren, um Erkenntnisse für unser eigenes Verhalten zu gewinnen. Jedoch weit gefehlt: Ob Sie nun die zeitlichen Daten der molekularen Uhr [...] akzeptieren oder nicht (oder prinzipiell auch die gesamte Evolutionstheorie in Frage stellen), eine Tatsache ist und bleibt, dass das menschliche Genmaterial zu 99 Prozent mit dem des Zwergschimpansen identisch ist. Ausgehend von diesem Faktum, lässt sich daher unser Menschsein zweifellos am besten verstehen, wenn wir uns klarmachen, was es letztlich bedeutet, ein Tier zu sein. Schließlich ist unser Genmaterial ja mit dem einiger anderer Arten nahezu identisch.« Auf den Seiten 61 und 62 versteigen sich J. und M. Gribbin dann zu der Feststellung: »Der Mensch ist fürwahr ein Affe im grünen Peter-Pan-Kostüm, ein lebender Beweis, welche Tricks die Evolution aus ihrem Hut zaubert - und alles nur, weil ein winziger Bruchteil unserer Erbsubstanz (nämlich ein Prozent der DNS), der für die menschliche Entwicklung zuständig ist, plötzlich anders gearbeitet hat.«

Die Autoren beschreiben die ihren Schlussfolgerungen zu Grunde liegende Datenbasis auf Seite 23 wie folgt (Korrekturen von W.-E. Lönnig in eckigen Klammern): »Insgesamt enthalten die 46 [richtig: 23] menschlichen Chromosomen etwa 2,5 Milliarden Basenpaare; in gedruckten Buchstaben (ausgehend von einer gleichen Buchstabengröße wie der im vorliegenden Buch) ergäbe die äquivalente Botschaft knapp 1,4 Millionen Seiten.«

Nach neuesten Untersuchungen ist sogar von 3,16 Milliarden Basenpaaren auszugehen. Rechnet man entsprechend hoch, so kommt man auf 1,7696 Millionen Seiten. Auf Seite 31 ihres Werkes beziffern die Autoren den mithilfe der sogenannten »Hybridisierungstechnik« gemessenen genetischen Abstand zwischen Mensch und Schimpanse auf 1,2% (betrifft nur die proteinkodierende DNA). Lönnig nennt »eine Vielzahl neuerer Untersuchungen«, die »unter Einbeziehung weiterer DNA-Sequenzen den bisher gemessenen Abstand etwas vergrößert« hat. Wie oben gezeigt, deuten die neuesten Daten sogar auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Genomen des Menschen und des Schimpansen hin. Die Forschung geht weiter und sämtliche genannten Zahlen sind vermutlich noch nicht endgültig. Lönnig schlägt vor, einmal die »besten« Zahlen, die Mitte der 1990-er Jahre verfügbar waren, einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

Im haploiden (einfachen) Chromosomensatz habe der Mensch etwa 3,16 Milliarden Basenpaare. Bei 1,6 Prozent Abstand - wie gesagt: diese Zahl ist inzwischen überholt - finden wir zwischen Mensch und Schimpanse absolut 50.560.000 Unterschiede! In jeder einzelnen Zelle also mehr als 50 Millionen einzelne Unterschiede zwischen Mensch und Schimpanse! Nach J. und M. Gribbins Umrechnung in Seitenzahlen heißt das - wenn man alle Unterschiede aneinanderreiht - zusammengefasst (diploid, also doppelter Chromosomensatz): 56 627,2 (haploid 28 313,6) Seiten. Nähme man also eine Brockhaus Enzyklopädie, dann ließen sich immerhin etwa 12 bis 13 Bände mit den Unterschieden zwischen Mensch und Schimpansen füllen (drei Seiten Text nach dem Autorenpaar Griffin ergeben quantitativ etwa eine Seite Brockhaus).

Natürlich werden Evolutionstheoretiker einwenden, entscheidend sei die Relation und da handelt es sich nun eben doch nur um 1,6 Prozent Unterschiede und 98,4 Prozent Ähnlichkeiten, das heißt - um das Mantra noch einmal zu wiederholen -, fast »99 Prozent tierische Gene« oder »in glatten Zahlen, nur ein Prozent Mensch und 99 Prozent Affe« oder »Ausgehend von diesem Faktum, lässt sich daher unser Menschsein zweifellos am besten verstehen, wenn wir uns klarmachen, was es letztlich bedeutet, ein Tier zu sein. Schließlich ist unser Genmaterial ja mit dem einiger anderer Arten nahezu identisch« oder »Der Mensch ist fürwahr ein Affe im grünen Peter-Pan-Kostüm ...« (vgl. die Zitate oben).

Hier, so kommentiert Lönnig, hören nun tatsächlich viele evolutionistische Zeitgenossen einfach auf, weiterzudenken - »glücklich mit der naturwissenschaftlich vollkommen abgesicherten und unbestreitbaren Erkenntnis, ein solcher Affe zu sein (und viele fühlen und handeln entsprechend, manche laufen sogar so, wenn ich das einmal ironisch hinzufügen darf).«

Man könnte natürlich auch weiterdenken und die Frage stellen, woher denn der Schimpanse seine Gene hat.

John H. Postlethwait und Williams S. Talbot weisen (1997, S. 186 in Trends in Genetics) zur Identifizierung von Genen bei Mensch und Hausmaus (Mus musculus) auf folgenden für unsere Fragen aufschlussreichen Punkt hin: Wenn wir ein spezifisches Gen der Maus hernehmen, dann finden wir es mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% im entsprechenden Chromosomsegment (wörtl. »in a specific, identified and conserved chromosome segment«) beim Menschen. Die Genomgrößen von Maus und Mensch sind auch etwa gleich groß (Science Bd. 278, S. 606; 1997): beide haben etwa 3 Milliarden Basenpaare, bei der Maus sind etwa 0,2 Prozent sequenziert, beim Menschen auf Grund des Human Genome Project nahezu 100%. Von anderen bekannten Daten ausgehend, dürfte die Ähnlichkeit im Durchschnitt bei etwa 80% liegen (wobei hinzuzufügen ist, dass Tausende von »Housekeeping genes« eine DNA-Sequenzähnlichkeit von etwa 90% und zahlreiche der entsprechenden Proteine wegen der Redundanz des genetischen Codes um die 95% Ähnlichkeit aufweisen dürften; genauere Zahlen zum Vergleich Mensch/Maus/Hefe sind zum Teil im Internet abfragbar).

Maus, Schimpanse und Mensch sollen nun gleichermaßen über viele Zwischenformen von einer ausgestorbenen, aber heutigen Arten sehr ähnlichen Spitzmaus abstammen. Wagen wir ein Zwischenresümee. Die Frage, woher denn der Schimpanse seine Gene habe, kann nach evolutionistischen Voraussetzungen so beantwortet werden: »Die hat er von einer Art Spitzmaus. Und die meisten seiner Gene hat er auch gemeinsam mit unserer Hausmaus.« In Anlehnung an J. und M. Gribbin darf also argumentiert werden: »Der Affe ist in Wirklichkeit gar kein Affe, sondern fürwahr eine Maus im grünen Peter-Pan-Kostüm. Schließlich ist sein Genmaterial ja mit dem einiger anderer Arten weitgehend identisch.«

Denn was für Mensch und Schimpanse gilt, gilt natürlich auch für Schimpanse und die »ganze Kette« der »unter ihm« stehenden Lebensformen (Gibbon, Siamang, Old World Monkeys, Galago, Lemuren, Spitzmäuse). Und wenn wir bei der Maus einmal anhalten, können wir mit den Gribbins weiter sagen: »Ausgehend von diesem Faktum, lässt sich daher sein Schimpansensein zweifellos am besten verstehen, wenn wir uns klarmachen, was es letztlich bedeutet, ein Maus zu sein. [...] Schimpanse zu sein impliziert letztendlich nichts anderes, als nach ähnlichen Verhaltensregeln wie alle übrigen Mäuse zu leben. Denn die Ähnlichkeit mit anderen Arten, mit denen Schimpansen genetisch gesehen viel gemein haben, überwiegt bei weitem die Andersartigkeit ihnen gegenüber.« Richtig! »Schimpansen sind, in glatten Zahlen, nur ein paar Prozent Schimpanse und zu über 80 Prozent Maus.« Unterscheiden wir noch zwischen der Sequenzähnlichkeit und der gemeinsamen Genzahl von über 95%, so können wir hinzufügen: »Besonderheiten der Gestalt und des Verhaltens finden wir bei den Schimpansen trotz der über 95 Prozent Mäusegene, die im Schimpansenkörper vorhanden sind.«

Stellt sich früher oder später natürlich die Frage, woher die Maus ihre Gene hat! Und siehe da: über viele Zwischenstufen kommt man z.B. auf Vettern wie die Hefe und Escherichia coli, unser Darmbakterium.

Ergebnis bei der inzwischen voll durchsequenzierten Hefe: »Grob 6.200 Gene von den angenommenen 4.000 homologen Proteinfamilien, die auf den 16 Hefechromosomen kodiert sind, repräsentieren zweifellos die meisten Eiweißfamilien der Eukarionten« (Original: »Roughly 6200 genes from an estimated 4000 homologous protein families are encoded on the 16 yeast chromosomes undoubtedly representing most eukaryotic protein families«; aus Nature vom 2.1.1997, Seite 29). Auch Mausezellen sind Eukaryonten - verfügen also über einen Zellkern -, womit diese Aussage auch auf sie zutrifft. Das heißt, die »99% tierischen Gene«, die den Menschen zu einem 99-prozentigen Affen machen sollen, sind zum größten Teil gar keine tierischen Gene, sondern Hefegene. Und eine Maus ist - immer in Anlehnung an die Gribbins - in Wirklichkeit gar keine Maus, sondern fürwahr ein Hefepilz im grünen Peter-Pan-Kostüm. Schließlich ist ihr Genmaterial zum großen Teil mit dem anderer Arten nahezu identisch. »Ausgehend von diesem Faktum, lässt sich daher ihr Mäusesein zweifellos am besten verstehen, wenn wir uns klarmachen, was es letztlich bedeutet, ein Hefepilz zu sein. [...] Eine Maus zu sein impliziert letztendlich nichts anderes, als nach ähnlichen Verhaltensregeln wie alle übrigen Hefepilze zu leben. Denn die Ähnlichkeit mit anderen Arten, mit denen Mäuse genetisch gesehen viel gemein haben, überwiegt bei weitem die Andersartigkeit ihnen gegenüber.« Auch richtig! »Eine Maus ist nur zu einem geringen Prozentsatz Maus und zum größten Teil ein Hefepilz.« Und die Hefe hat natürlich mit unserem Darmbakterium Escherichia coli wieder Tausende von Genen gemeinsam und wir können das Spielchen wieder von vorne anfangen!

Weiter sollte nicht vergessen werden, dass wir Menschen auch mit den Pflanzen Tausende von Genen gemeinsam haben - was in Anlehnung an J. und M. Gribbin selbstverständlich auch wieder hochinteressante Schlüsse nahelegt (etwa: ein Rotkohl ist zu einem nicht unbedeutenden Teil ein Mensch und vice versa und sicher betrifft das auch einige Schlüsselgene des Verhaltens).

Zu welchen Schlussfolgerungen kommt Lönnig, nachdem er für uns die Argumentationsweise der Evolutionisten ad absurdum geführt hat? Er resümiert: »Statt die eigentliche Aufgabe wahrzunehmen, nämlich die Unterschiede zwischen den verschiedenenen Lebensformen zu erklären und das spezifisch Eigene jeder Art auf allen Ebenen (molekular, physiologisch, anatomisch, ethologisch, morphologisch) herauszuarbeiten, lebe die Evolutionshypothese seit über hundert Jahren von einer total unwissenschaftlichen Methodik, die der Paläontologe O. Kuhn einmal wie folgt beschrieben hat:

›Die Ähnlichkeit der organischen Naturformen erklärte man durch Entwicklung, diese wieder bewies man durch die abgestufte Ähnlichkeit. Dass man hier einem Zirkelschluss zum Opfer fiel, wurde kaum bemerkt; das, was man beweisen wollte, dass nämlich Ähnlichkeit auf Entwicklung beruhe, setzte man einfach voraus und machte dann die verschiedenen Grade, die Abstufung der (typischen) Ähnlichkeit, zum Beweis für die Richtigkeit der Entwicklungsidee. Albert Fleischmann hat wiederholt auf die Unlogik des obigen Gedankengangs hingewiesen. Der gleiche Gedanke diente nach ihm wechselweise als Behauptung und als Beweisgrund.

Ähnlichkeit kann aber auch auf einen Plan zurückgehen, und ... Morphologen wie Louis Agassiz, einer der größten Morphologen aller Zeiten, haben die Formenähnlichkeit der Organismen auf den Schöpfungsplan, nicht auf Abstammung zurückgeführt.«

»Ich glaube«, führt Lönnig weiter aus, »es ist wirklich nicht notwendig, die Evolution für mehr als nur eine Hypothese zu halten.«

Nun gibt es durchaus Arbeiten zu den Unterschieden zwischen Mensch und Schimpansen. Clifford Wilson (1978: Monkeys will never talk - or will they?) hat schon sehr gut einige bedeutende psychische Unterschiede herausgearbeitet. Auch zur anatomischen Verschiedenheit liegen viele Daten vor. Nach Grzimeks Tierleben (1979) kam der Evolutionstheoretiker und Anthropologe Arthur Keith zu dem Ergebnis, dass Mensch und Schimpanse von 1.065 Einzelmerkmalen nur 369 gemeinsam haben (und sich logischerweise somit auch in 696 Merkmalen voneinander unterscheiden). Allein die Aufzählung der Unterschiede sagt aber nichts über die spezifische Qualität der Merkmale aus. Überdies steckte zur Zeit von Sir Arthur Keith die Cytologie und Biochemie noch in den Kinderschuhen, d. h. es sind noch nicht alle Merkmale erfasst. Wenn man mit mehr als 700 unterschiedlichen Merkmalen rechnet, liege man sicher nicht verkehrt, vermutet Lönnig und verweist auf zwei Schriften neueren Datums, die nicht nur den Schimpansen, sondern vor allem auch die durch falsche evolutionistische Aussagen hochbrisanten Australopithecinen (als unsere vermeintlichen direkten Vorfahren) und andere »Bindeglieder« betreffen:

Michael Brandt (1995): Der Ursprung des aufrechten Ganges (165 pp.: Edition Pascal) und vom selben Autor (1993): Gehirn und Sprache. (beide Arbeiten haben ein hohes wissenschaftliches Niveau und setzen einige anatomische Kenntnisse voraus. Es lohnt sich also, die Werke vorher einzusehen, bevor man sich zum Kauf entschließt.)

Weiter fasst Lönnig zusammen: »Eine überzeugende Evolutionstheorie hätte die Aufgabe, die Enstehung der zahlreichen Unterschiede zwischen Menschen und Schimpansen (und überhaupt den Tieren und Pflanzen) theoretisch und (soweit ethisch vertretbar) experimentell zu klären. Dass die meisten Evolutionstheoretiker an diesen Unterschieden kaum ein Interesse zeigen und statt dessen seit rund 140 Jahren die ›homologen‹ Ähnlichkeiten überbetonen, um damit die Evolution der gesamten Menschheit als ›wissenschaftliche Wahrheit‹ zu vermitteln, ist zugleich das Eingständnis, dass sie die eigentliche Aufgabe, nämlich die Erklärung der Unterschiede, nicht in ihrem Sinne in den Griff bekommen haben.«



Letzte Änderung: 1.1.2014
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