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Mutationen sind bloß erbliche Fluktuationen um eine Mittelposition...,
egal wie zahlreich sie sein mögen,
produzieren Mutationen keinerlei Art von Evolution.

Pierre-Paul Grassé

Mutationen - Zaubertrank oder Gift?

Mutationen sind, salopp ausgedrückt, das »Schweizer Messer« der Evolution, ein Universalwerkzeug, mit dem sich fast alles zurechtschnitzen lässt. Sie machen aus Hautschuppen Vogelfedern, aus Flossen Beine, aus Beinen Flügel usw. Die Selektion muss nachher nur noch die neuen Erfindungen aus dem Überschuss des Althergebrachten herauslesen und schon ist die Evolution wieder einen Schritt weiter. So wird es uns von Darwinisten unentwegt vermittelt.

Neuere Forschungen entzaubern eher den Mythos der Mutation als Motor der Evolution, anstatt ihn zu beleben. Beobachtungen in der Natur und wissenschaftliche Experimente beweisen eher das Gegenteil. Mutationen sind ein äußerst zerstörerischer Mechanismus. Spontane oder künstlich herbeigeführte Veränderungen im Erbgefüge schädigen in den allermeisten Fällen den Organismus. Darüber hinaus deuten Experimente darauf hin, dass es nur ein beschränktes Spektrum an Variationen in der Erbmasse gibt (von Ernst Mayr genetische Homöostase genannt). Der Genetiker Wolf-Ekkehard Lönnig hatte in seinen Züchtungsexperimenten an Pflanzen das häufige Wiederkehren gleicher Mutationen beobachtet und daraus die »Regel der rekurrenten Variation« abgeleitet. Es gebe, so vermutet er, nur eine begrenzte Zahl von Erbfaktoren, »bei denen unter schrittweisem bis völligem Funktionsverlust noch ein lebensfähiger, aber in vielen Fällen mehr oder weniger geschädigter Organismus gebildet werden kann.« Beim Menschen sind über fünftausend solcher rekurrent auftretenden erblichen Abweichungen bekannt. Die meisten gehen mit einer Einschränkungen der Lebensqualität einher oder sogar mit Krankheit und Tod. Hier ein ein Beispiel:

Sind Hermaphroditen (»Zwitter«) der lebende Beweis für Evolution?

Im Roman Die Galerie der Lügen wird auf eine Besonderheit hingewiesen, die von darwinistischer Seite bisweilen als einer von mehreren Mechanismen angeführt wird, die zur Höherentwicklung von Lebewesen führen. Hierbei geht es um die sogenannte Polyploidie, womit in der Biologie »das Vorhandensein von mehr als zwei Chromosomensätzen [... bzw. die] Vervielfachung des Chromosomensatzes« gemeint ist (Duden - Das Fremdwörterbuch). Im Roman wirkt sich dieses in der Natur gar nicht so seltene Phänomen auf das Geschlecht (Sexus) einiger Akteure aus.

Das Erbmaterial jedes Lebewesen ist, wie hinlänglich bekannt sein dürfte, auf Chromosomen festgelegt. Diese bestehen aus Eiweißmolekülen und der DNA. Der Mensch verfügt gewöhnlich über dreiundzwanzig Chromosomenpaare. Das letzte - die Gonosomen - bestimmt das Geschlecht: ein kleines Y-Chromosom zusammen mit dem sechsmal so großen X ergibt einen Jungen; zweimal X bedeutet Mädchen. Manchmal legt die Natur noch ein oder sogar zwei Chromosomen drauf; so ziemlich alle denkbaren »Mosaike« wurden gefunden. Mit 48,XXXY beschreiben die Mediziner zum Beispiel einen Menschen, der je einen kompletten weiblichen und männlichen Gonosomensatz besitzt. Solche von der Allgemeinheit als »Zwitter« bezeichneten Menschen werden fachsprachlich Hermaphroditen oder Intersexuelle genannt.

Einige Evolutionstheoretiker sprechen nun der Polyploidisierung - der Vervielfachung von Chromosomensätzen - eine wichtige Rolle bei der Entstehung neuer Arten zu. Auf den ersten Blick ein verlockender Gedanke, lässt sich aus den multiplizierten Erbinformationen sich kreuzender Individuen doch einiges zusammenwürfeln. Im Pflanzenreich gibt es Arten, deren Vervielfachungsgrad bei vierundsechzig Chromosomensätzen oder noch höher liegt. Jede Kulturerdbeere stellt eine Polyploidisierung ihrer im Wald wachsenden Wildform dar. Sie ist eine neue biologische Art, weil sie unter natürlichen Bedingungen fruchtbare Nachkommen hervorbringen kann. Aber selbst wenn es zu einer starken Durchmischung der vervielfachten Chromosomensätze kommt und veränderte Merkmale oder Eigenschaften beobachtet werden können, entstehen doch keine prinzipiell neuen Organe. Die Umgestaltung beschränkt sich auf den Bereich der Mikroevolution.

Etliche Darwinisten leugnen, dass es überhaupt einen Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution gibt. Sie argumentieren, derselbe Mechanismus, der einem (Darwin-)Finken einen etwas kräftigeren Schnabel wachsen lässt, könne ihn auch in einen Storch verwandeln. Alles sei im Fluss, überall wirke die Evolution. Hierbei handelt es sich um einen rhetorischen Trick. Die aktuelle Faktenlage deutet, wie unten gezeigt wird, eher auf eine Beschränkung, also auf quantitative Variationen hin. Qualitative Änderungen von Erbanlagen, die zur Entstehung neuer Organe, Strukturen oder Baupläne unabdingbar wären, konnten bisher weder im Experiment noch durch Beobachtung unter natürlichen Bedingungen nachgewiesen werden.

Die Frage, ob Hermaphroditen der lebende Beweis für Evolution sind, kann also eindeutig mit »Ja!« beantwortet werden: Sie sind das Resultat von Mutationen. Somit beweisen sie die Wirkung von Mikroevolution, aber damit geht, wie der Roman Die Galerie der Lügen anschaulich macht, in den seltensten Fällen eine Verbesserung der Lebensqualität einher. Intersexuelle Menschen sind in aller Regel ganz oder eingeschränkt unfruchtbar. Einige würden ohne regelmäßige Zufuhr von Cortison oder anderen Medikamenten innerhalb kürzester Zeit sterben. Hermaphroditen vereinen in sich nichts Neues, sondern lediglich vorhandene Merkmale ihrer Spezies. Somit sind sie kein Beleg für Makroevolution.


Echte Hermaphroditen mit Chromosomensätzen XX/XY oder erweiterten Kombinationen wie XX/X0 etc. sind genetische Chimären, im weitesten Sinne vergleichbar mit diesem Sheepdog, den es in Wahrheit nicht gibt. Ob solche Mischformen nun als Folge von Mutation, durch Zufuhr von Intelligenz oder - wie im Fall der Schiege (engl. geep), ein Hybrid aus aus Schaf und Ziege - durch Kreuzung entstehen, sie taugen kaum als Beweise für Evolution. Oft sind derlei erblich von der Norm abweichende Organismen unfruchtbar oder nur eingeschränkt lebensfähig. Im Kampf ums Dasein haben sie fast immer die denkbar schlechtesten Karten.
(Bild mit freundlicher Genehmigung von www.IntelligentDesignVersusEvolution.com)

Auf Zeit gespielt - Können Jahrmillionen voller Mutationen komplexes Leben entstehen lassen?

Wenn eine Mannschaft im Fußball mit ihrem Ergebnis zufrieden ist, dann spielt sie bisweilen auf Zeit, um dem Gegner eine Veränderung des Spielstandes zu verwehren. Im evolutionistischen Erklärungsrahmen spricht man der vierten Dimension indes genau die umgekehrte Wirkung zu: Ein unzureichendes Ergebnis soll - kraft des Zufalls - nach hinreichend langer Zeit besser werden.

Die grundsätzliche Schädlichkeit von Mutationen wird von Evolutionisten nicht bestritten. Positive Änderungen im Erbgefüge sind seltener als ein Hauptgewinn in der staatlichen Lotterie. Aber im Laufe von Jahrmillionen, so die darwinistische Argumentation, könnten sich genug kleine und kleinste Zufallsverbesserungen aufgehäuft haben, um aus einem Einzeller einen Lottokönig zu machen. Leider lebten Wissenschaftler nicht lange genug, um diese schöpferische Kraft experimentell nachzuweisen. Ist das wirklich so?

Nach herrschender Meinung sind etwa 100.000 Generationen ausreichend gewesen, um vom primitiven »Vormenschen« zum Homo sapiens zu gelangen. Ebenso viele Generationswechsel können an Bakterien in einem Jahr untersucht werden, um die Makromutationen in der erforderlichen Größenordnung modellhaft nachzuweisen. Bei der Menschwerdung soll lediglich der »blinde Uhrmacher« Zufall gewirkt haben, in den Mutationsexperimenten wird dagegen unter massivem Einsatz von Intelligenz (kreativem Potential) gearbeitet. Trotzdem wurden in einhundert Jahren Forschung an Bakterien nie derart weitreichende Veränderungen im Erbgefüge entdeckt, wie sie auf dem Weg zum modernen Menschen hätten erfolgen müssen. Nach wie vor fehlen stichhaltige Beweise für eine grundlegende Änderung der Organisation von Lebewesen oder für die Entstehung qualitativ neuer Gene.

Ähnlich verhält es sich bei Drosophila, der zum Lieblingstierchen der Mutationsforscher avancierten Fruchtfliege. Buchstäblich Tausende von Generationen und Millionen von Individuen wurden untersucht, aber nahezu alle bekannten Mutationen waren schädlich. In jedem Fall veränderten sie nur Vorhandenes, schufen aber niemals Neues. Pierre-Paul Grassé, ein renommierter Biologe an der Sorbonne in Paris, ehemaliger Präsident der Académie Française und Herausgeber des maßgeblichen 12-bändigen Traité de Zoologie, bringt es auf den Punkt, wenn er betont, Fruchtfliegen blieben immer Fruchtfliegen[1].

Nach Ansicht von E. J. Ambrose, einem Zellbiologen an der Universität London, sind mindestens fünf Gene erforderlich, um in einem biologischen Organismus selbst die einfachste neue Struktur hervorzubringen. Aber nur eine von 1.000 Mutationen bringe für das Individuum keine Nachteile. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von fünf nichtschädlichen Mutationen liege daher bei eins zu einer Million Milliarden (1 zu 1015). Und das sei nur der Anfang der Probleme, betont Ambrose, weil solche vorteilhaften Mutationsgruppen erst noch in die Entwicklung des gesamten Organismus eingebunden und im Erbmaterial weitergegeben werden müssen. Daraus ergebe sich die Schlussfolgerung, »dass jüngste Hypothesen über den Ursprung der Arten sich zerschlagen, außer man akzeptiert, dass eine intensive Zufuhr neuer Information zur Zeit der Isolation des neuen Zuchtpaares erfolgt« [2]. Wer diese Informationszufuhr angestoßen haben soll, wenn ein Intelligenter Designer kategorisch ausgeschlossen wird, ist bisher nicht zu erklären.

Auf Zeit zu spielen ist also nur vordergründig hilfreich, wenn es um die Klärung der Frage geht, ob Mutationen ein schöpferisch wirkender Zaubertrank oder doch eher Gift in der Organismenwelt sind. Wer die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu Hilfe nimmt, wird rasch erkennen, dass sämtliche Erdzeitalter nicht ausreichen, um die zufällige Entstehung biologischer Systeme und »Maschinen« zu erklären. Ein praktisches Beispiel hierfür ist im Abschnitt »Zufällige Entstehung nicht reduzierbarer Komplexität - Nur unwahrscheinlich oder unmöglich?« zu finden, wo ausführlich auf den Elektrorotationsmotor von Escherichia coli eingegangen wird.


[1] L'évolution du vivant; Pierre Grassé, Albin Michel, Paris 1973, p. 130

[2] The Nature and Origin of the Biological World; E. J. Ambrose, Halsted, New York 1982

Resümee: Sind Mutationen der Schlüssel zu Makroevolution?

Nach darwinistischer Annahme sollen neue Baupläne durch die Anhäufung vieler kleiner, mikroevolutiver Schritte entstehen. Der Übergang von einem Bauplan zum anderen - etwa vom Fisch zum Amphibium, von diesem zum Reptil und im weiteren Verlauf der Evolution zum Säugetier - kann als Makroevolution bezeichnet werden. Für Mikroevolution, die sich innerhalb von Grundtypen abspielt, gibt es unzählige Belege in der Natur. Ihre empirischen Grundlage ist gesichert. Ein Beispiel sind die berühmten Darwinfinken auf den Galápagosinseln. Anders verhält es sich bei der Makroevolution.

Makroevolution ist ein Gedankenmodell, das die stetige Komplexitätszunahme in der Organismenwelt zu beschreiben versucht, sich aber der empirischen Nachweisbarkeit entzieht, weil sie sich - so die Hypthese - in sehr großen Zeiträumen entfaltet. Die Vertreter des Intelligent Design (ID) halten indes Makroevolution für nicht vereinbar mit den beobachtbaren Naturgesetzen. Die Entstehung neuer biologischer Baupläne als Ergebnis des Zusammenspiels von Mutationen und Selektion werde in der Natur nirgends beobachtet. Beobachten könne man vielmehr Folgendes:

  • Mutationen führen zu Komplexitätsverlust, nicht zu einem Komplexitätsgewinn.
  • Mutationen sind in ihrer Variationsbreite beschränkt (siehe die Veröffentlichung Mutationen: Das Gesetz der rekurrenten Variation) und von daher voraussehbar.
  • Natürliche Selektion ist ein Prozess zur Erhaltung eines Genpools, also zur Vermeidung von Veränderungen. Selektiert (aussortiert durch geringere Nachkommenschaft, Unfruchtbarkeit oder Tod) werden somit in aller Regel schwächere Mutanten, nicht etwa Individuen mit unverändertem bzw. optimierten Erbgut (siehe dazu auch der Kommentar von Frieder Meis zur Defintion des Begriffes Selektion).
  • Züchtung - ein von Evolutionisten gerne für den »Beweis« von Makroevolution instrumentalisierter Vorgang - hat mit natürlicher Selektion wenig zu tun. Züchtung ist eine bewusst vom Menschen vorgenommene Bewahrung verlustmutierter oder in ihrem Genpool ausgedünnter Lebewesen (Pflanzen oder Tiere) vor der natürlichen Auslese. Damit ist Züchtung unnatürliche Auslese - nur deshalb können beispielsweise einige Hundearten (Krüppelzüchtungen wie Dackel oder Pinscher) überhaupt überleben: In der Obhut und durch die Pflege des Menschen werden sie vor der natürlichen Selektion bewahrt. Ähnliches gilt für die Mehrheit der Kulturpflanzen. Ausnahmen stellen Verlustmutationen dar, die zu Merkmals- bzw. Funktionsausfällen führen, welche für das Individuum keinen Nachteil darstellen. Ein Beispiel hierfür sind Höhlenfische, die mit der Einbuße ihrer Sehfähigkeit gut leben können, solange sie ihr lichtarmes Milieu nicht verlassen. In solchen Fällen kann sich die Verlustmutante durchsetzen, weil der Verlust einen, wenn auch geringen, Vorteil bedeuten mag (z. B.: schnellere Embrionalentwicklung). Vernunftwidrig ist allerdings die Schlussfolgerung, solche Verlustmutationen würden eine Höherentwicklung (Makroevolution) erklären - schließlich geht ja durch den Verlust etwas zuvor Vorhandenes verloren und nicht umgekehrt!

Die Argumentation der ID-Vertreter deckt einen offensichtlichen Widerspruch zwischen der Faktenlage und der von Evolutionisten angenommenen Makroevolution auf. Darwin und seine Zeitgenossen waren in diese Sackgasse geraten, da ihnen das Wissen um die Mechanismen der Mikroevolution weitgehend fehlte. So nahmen sie beispielsweise an, dass Eigenschaften, die ein Lebewesen im Laufe seines Daseins erwirbt, auf seine Nachkommen vererbt werden können. Mit dieser Vorstellung im Kopf wurde das Modell der grundtypenübergreifenden Höherentwicklung konzipiert. Spätestens seit die mendelschen Vererbungsgesetze wissenschaftliches Allgemeingut geworden sind, mussten die Darwinisten nach anderen Mechanismen der Evolution Ausschau halten. So kamen die Mutationen ins Spiel.

Einhundert Jahre später deutet vieles darauf hin, dass auch die sprunghaften Veränderungen des Erbguts nicht der Zaubertrank sind, der die Entstehung neuer Baupläne bewirken kann; eher haben sich Mutationen als Gift für die neodarwinistischen Ideen erwiesen. Es entsteht der Eindruck, als würden empirische Daten, die u.a. zur Formulierung des Das Gesetzes der rekurrenten Variation geführt haben, bewusst ausgeblendet, um das Gedankengebäude von der Makroevolution nicht zu erschüttern. Mit einer wissenschaftlich sauberen Arbeit hat das aber nichts zu tun. Dies ist umso bedauerlicher, da von darwinistischer Seite den fundamentalistischen Kreationisten immer wieder Dogmatismus und Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen wird. Intelligent Design zieht seine Schlüsse hingegen aus empirisch zugänglichen Fakten und fordert die Vertreter beider Ideologien (Evolutionismus und Kreationismus) auf, der Wissenschaft und der Logik einen höheren Stellenwert einzuräumen und die eigene Weltanschauung aus wissenschaftlichen Diskussionen herauszuhalten. Nur dann ist man nicht mehr gezwungen, empirische Befunde zu leugnen, zurechtzubiegen oder für seine Zwecke zu vergewaltigen (an dieser Stelle sei u.a. an die permanenten Versuche erinnert, die Wahrscheinlichkeitsrechnung aus der Diskussion um zufällige Entstehungsprozesse neuer Strukturen mit hanebüchenen Begründungen herauszuhalten - ein Schelm, wer da an Dogmatismus denkt).

Quelle: http://www.intelligentdesigner.de/Kurzeinfuehrung.html



Letzte Änderung: 1.1.2014
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