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Nur wer seinen Träumen folgt,
verändert die Welt.

Motto der Phantanatuen

Der Zirkel der Phantanauten

Inhalt

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Web isau.de Phantanauten

Eine alte Tradition lebt wieder auf

Jeden Sommer treffen sich auf Brendan Castle, einer alten Festung in Irland, die Phantanauten zu einem einzigartigen Erzählreigen. Sie berichten einander von ihren Reisen durch fremde Welten, durch Reiche, die ihrer eigenen Phantasie entstammen. Um in ihren Zirkel aufgenommen zu werden, muss nämlich der Kandidat dem Meer der Träume Neuland abtrotzen. Deshalb nennen sich die Mitglieder des Kreises auch »Weltenbaumeister«. Nicht mehr als vierundzwanzig Personen umfasst ihre Zahl, nicht jünger als elf und nicht älter als zwanzig dürfen sie sein. Der Fünfundzwanzigste und zugleich der erste im Zirkel ist der »Navigator«. Gewöhnlich ist er erfahren und betagt. Er steht den jungen Weltenschöpfern mit seiner Weisheit zur Seite, ist mehr Ratgeber als Anführer.

Jeder Neophyt - so heißen die zukünftigen Phantanauten - verbringt eine Nacht in der Kammer der Weltenbaumeister, um träumend sein eigenes Phantasierich zu erschaffen. Am nächsten Morgen folgt die Probe: Der Kandidat muss unterhalb der Burg im Loch Riach, dem »Grauen See«, untertauchen. Ist seine Schöpfung echt, wird er dort wieder auftauchen und das Reich seiner Phantasie erkunden. Nach seiner Rückkehr berichtet er von den dort bestandenen Abenteuern. Sind die anderen Weltenbaumeister von der Echtheit seiner Schöpfung überzeugt, nehmen sie die Neophyten in den Zirkel der Phantanauten auf. Fortan obliegt ihm die Pflicht, seine Welt zu erhalten, indem er möglichst vielen Zeitgenossen davon erzählt und sie ermuntert, das Gehörte gleichfalls an andere Menschen weiterzugeben.

Der Erzählreigen ist ein häufig wiederkehrendes und immer wie neu abgewandeltes Motiv in der Literatur. Denken wir nur an Das Dekameron (ital. Il Decamerone) von Giovanni Boccaccio, das um 1350 entstand. Den Rahmen bildet hier eine Gemeinschaft von sieben jungen Frauen und drei Männern, die vor der Pest in ein Landhaus in den Hügeln von Florenz geflohen sind und sich dort an zehn Tagen je zehn Geschichten erzählen. Folgereichtig umfasst Boccaccios Dekameron 100 Novellen. In Tausendundeine Nacht übernimmt das regelmäßige Erzählen die ebenso kluge wie phantasiebegabte Scheherazade, die nur am Leben bleiben kann, indem sie den König ein ums andere Mal mit ihren Geschichten verzaubert. Auch die unzähligen Abenteuer der Ritter, die zur Tafelrunde von König Artus gehören, lassen sich als Erzählreigen auffassen.

Mit der zunächst auf drei Bände angelegten Reihe »Der Zirkel der Phantanauten« lässt Ralf Isau diese alte Tradition wieder aufleben. Auch bei ihm gibt es die verbindende Klammer - das Treffen auf Brendan Castle und das Sichbewähren der angehenden Phantanauten in den selbst erschaffenen Welten - und jede Erzählung ist in sich abgeschlossen. Die meisten Hauptfiguren werden in ihrem späteren Leben als Literaten von sich Reden machen. In den zwei ersten Bänden der Reihe etwa begegnen wir dem jungen James Joyce und einem Mädchen, das später als Virginia Woolf zu Weltruhm gelangen wird. In den Phantanautenerzählungen jedoch sind sie noch ganz normale junge Menschen mit Sorgen und Nöten, mit Wünschen und Träumen, wie sie auch viele Leser aus eigener Erfahrung kennen mögen. Eines ist den Neophyten jedoch gemein: ihre überreiche Phantasie.

Eine Reihe mit Format:

Den Begriff »Format« kennen wir ja vom Fernsehen. So beschreibt man die äußere Hülle einer Show, bestehend aus Vorspann, Musikeinspielungen, die ganze Abfolge und Ausgestaltung von Einzelelementen eben. Wenngleich der Inhalt (im Idealfall) bei jeder Folge ein anderer ist, bleibt das Konzept doch gleich. So bekommt die ganze Staffel einen Wiedererkennungswert, der ein bestimmtes Zielpublikum auf die Reihe einschwören soll.

»Der Zirkel der Phantanauten« will vor allem Freunde der Phantastischen Literatur ansprechen. Das innere Auge des Lesers soll phantastische Reiche erblicken. Im Gegensatz zu gewöhnlicher Fantasie besitzen diese jedoch einen festen Bezug zu unserer eigenen Welt. Sie bestehen gewissermaßen aus materialisierten Träumen und der Leser wird - so er denn will - immer wieder Metaphern entdecken, die sich in seiner eigenen Erfahrungswelt oder in jener der Hauptfiguren auflösen lassen. Der rote Faden in allen Erzählungen ist somit die Phantasie als Reflektionsfläche unserer Welt - der »Welt der Sinne« - und als Impulsgeber für neue Ideen zum Nutzen, manchmal auch zum Schaden der Menschheit. Ohne die äußere Welt könnten also die Traumreiche nicht existieren und diese wiederum werden auch zwangsläufig unsere Welt der Sinne beeinflussen. Das beste Beispiel für dieses Wechselspiel, dieses »Naturgesetz der Phantasie«, ist sicher der Roman Die Unendliche Geschichte von Michael Ende - Phantásien wird durch unser aller Phantasie immer neu erschaffen und macht damit auch unsere Welt reich; vernachlässigen wir unsere Schaffenskraft jedoch, wird die Innenwelt früher oder später vom Nichts zerstört.

Anders als in meinen Kinderbüchern Der Drache Gertrud oder Der Leuchtturm in der Wüste wendet sich die Reihe »Der Zirkel der Phantanauten« nicht hauptsächlich an die sehr jungen Leser, sondern er tut es auch. Um diese Neophyten im Zirkel der »Isauianer« nicht zu verschrecken, wird in den Romanen des Zyklus sparsam mit Fremdwörtern umgegangen und die Dramaturgie ist weniger komplex als in den opulenteren Werken mit gehobenerem Einstiegsalter. Gleichwohl sind die Phantanauten alles andere als Kinderkram. Bewusst zielen sie darauf ab, Leser zwischen 10 und 100 Jahren begeistern.

Zum Format gehört auch die bereits erwähnte Abgeschlossenheit jeder einzelnen Geschichte. Helmut Dohle hat wunderbare Innenillustrationen beigesteuert, die den Textteil auflockern. Diese Bilder mit eingerechnet liegt der Umfang der Einzelbände bei etwa 250 Seiten. Die erzählerische Klammer, durch die alle Romane miteinander verbunden sind, wurde bereits im Abschnitt »Eine alte Tradition lebt wieder auf« ausführlich beschrieben, ebenso der Schwerpunkt bei der Auswahl der Hauptfiguren. Literaten genießen den Vorrang, aber auch ein Winston Churchill - der ja den Literaturnobelpreis gewonnen hat - kommt als Kandidat für den Zirkel der Phantanauten in Frage.

Jedem Band ist derselbe Auszug aus dem Kodex der Phantanauten vorangestellt. Diese ungefähr anderthalb Seiten lange »Einführung für den Neophyten« soll dem Erstleser den Einstieg erleichtern und zugleich langatmige Wiederholungen für die Stammleser vermeiden helfen. In dieser Einführung werden die grundlegenden Regeln der Landgewinnung im Meer der Träume beschrieben und wie ein Bewerber in den Zirkel der Phantanauten aufgenommen werden kann.

Die eigentliche Geschichte beginnt mit der Vorstellung des Protagonisten und seiner Auswahl als Bewerber für den Zirkel der Phantanauten.

Den Hauptteil jedes Romans bildet ein Abenteuer in einer phantastischen Welt, die der Protagonist selbst erschaffen hat, die aber mitunter auch aus Versatzstücken bereits bekannter phantastischer Reiche besteht. Mit seiner Rückkehr in die »Welt der Sinne« - unsere Wirklichkeit - geht dieser Teil zu Ende.

Zum Schluss erfährt der Leser, ob und wie die phantastische Reise des Helden bzw. der Heldin die Wirklichkeit der Sinnenwelt beeinflusst oder verändert. Wird er, wird sie in den Zirkel der Phantanauten aufgenommen? Diese spannende Frage muss jedes Mal neu gestellt und beantwortet werden.

Das Ende jedes Bandes bildet ein Essay, in welchem dem Leser die reale Person hinter der Hauptfigur und ihr Leben nahe gebracht wird. Dieser Anhang soll dazu anregen, sich auf eigene Faust mit James Joyce, Virginia Woolf und wie immer die Phantanauten noch heißen werden zu beschäftigen. Eltern, Erziehern und wissenshungrigen Lesern bietet dieser Teil genug Material, um das Wechselspiel zwischen Phantasie und Sinnenwelt weiter zu erkunden.

Wem dies immer noch nicht genug ist, der kann sich auf dieser Website weitere Hintergrundinformationen zu jedem Buch. Parallel zum Romanzyklus entsteht die Biliotheca Phantanautica, eine mehrteilige Sammlung von Artikeln sowohl zu den realen Hauptfiguren als auch - im Wörterbuch der Phantanauten - zu den Namen, Begriffen und Wendungen aus dem Sprachschatz der Reihe.

Zitat 

Shadow OR Hintergrundinformationen zum Roman »Der Tränenpalast«

Das Naturgesetz der Phantasie

Jim wechselte einen unbehaglichen Blick mit Lena, bevor er wieder das Wort an den Lord richtete. »Wie kann man aus einer Phantasiewelt etwas mitbringen? Sie existiert doch nur im Kopf.«

»Kaum ausgedacht, schon wahr gemacht«, sagte ein vorwitziger schmächtiger Bursche mit kakaobrauner Haut.

Der Alte lächelte nachsichtig. »Ngugi hat recht. Alles Menschengeschaffene hat im Kopf seinen Anfang genommen. Je liebevoller und genauer ein Phantasiereich ausgestaltet ist, desto stärker wird es die ›Welt der Sinne‹ - die Wirklichkeit der Menschheit im Allgemeinen - verändern, oft zum Besseren, manchmal leider auch zum Schlechteren. Nach dem Kodex der Phantanauten wollen wir die Welt mit unserer Phantasie bereichern ... Darin sind die Phantanauten etwas Besonderes: Die Erinnerung an sie verblasst langsamer, weil ihre Geschenke an die Welt die Zeit überdauern.«


Aus Der Tränenpalast (2008), Seiten 55, 220.

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Letzte Änderung: 1.1.2014
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