Schwerter kann man aus vielem schmieden.
Am gefährlichsten sind die aus Gefühlen.

Der Silberne Sinn

Ein Buch als Meilenstein

Der Silberne Sinn ist mehr als ein Phantagon. Ich betrachte den Roman als wichtigen Meilenstein  in meiner schriftstellerischen Laufbahn. Mit dieser Feststellung will ich mich nicht zum Inhalt oder zur Qualität des Werkes äußern, das müssen andere besorgen. Doch der Roman ist mein erstes »Buch für Erwachsene«. Er entstand im Jahr 2002, nachdem ich die Arbeit als Softwareingenieur an den Nagel gehängt hatte, um meinen Lebensunterhalt hinfort nur noch als Schriftsteller zu verdienen. Die Gründe für diesen Entschluss habe ich in meiner Vita ausführlich behandelt. Das Schreiben von »Erwachsenenbüchern« bedeutet keine Abkehr von der Jugendliteratur, eher das Gegenteil ist der Fall.

Um es vorweg zu nehmen: Der Silberne Sinn dürfte - vergleicht man ihn mit dem, was unseren Kindern täglich auf der heimischen Mattscheibe vorgesetzt wird - weitestgehend ein jugendfreier Erwachsenenroman sein. Nicht das Maß an Brutalität oder Erotik sollte die Jugend- von der Erwachsenenliteratur unterscheiden, eher schon die generelle Themenwahl, die Komplexität der Handlungsstränge oder die sprachliche Qualität des Werkes. Im Silbernen Sinn werden zeitgeschichtliche Ereignisse aufgegriffen, die 1978 zum Tod von über neunhundert Menschen geführt haben. Man kann sich denken, dass es eine Gratwanderung für jeden Romancier bedeuten muss, derart schreckliche Geschehnisse historisch korrekt darzustellen, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, die Gewalt nur als Mittel zum Zweck zu gebrauchen. In meinem Silbernen Sinn habe ich mich dieser Herausforderung gestellt.

Das sogenannte »Jonestown-Massaker« bildet den Einstieg in die Geschichte und die Frage, was wirklich am 18. November 1978 im Dschungel von Guyana geschah, zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Natürlich maße ich mir nicht an, die damaligen Ereignisse enträtselt zu haben, zu viel ist davon noch im Dunkeln (siehe Infobox links). Vielmehr zeichnet der Roman ein hypothetisches Bild von den Hintergründen und den Implikationen der historischen Geschehnisse. Dem ein oder anderen mögen davon abweichende Deutungen wahrscheinlicher erscheinen, aber sie sind - zumindest bis zum Zeitpunkt als ich den Roman schrieb - ebenso unbewiesen. Bewusst habe ich mich jener künstlerischen Freiheiten bedient, die den Roman zu einer packenden Geschichte machen. Wer da die Nase rümpfen mag, dem sei ein Streifzug durchs Internet angeraten (die Stichworte »Jonestown«, »Jim Jones« und »Peoples Temple« mögen hilfreich sein) - er wird staunen, welche Theorien sich dort zu dem angeblichen Massenselbstmord aufstöbern lassen, und vielleicht etwas besser verstehen, weshalb ein gewisser phantasievoller Schriftsteller da nicht widerstehen konnte ...

Inhalt

Ein ermordeter Hellseher namens Erik Jan Hanussen, den man auch den »Propheten der NSDAP« nennt. Eine Gruppe von über neunhundert religiösen Fanatikern, die sich im Dschungel von Guyana selbst vergiften. Und eine Anthropologin, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegen die Folgen eines furchtbaren Kindheitstraumas ankämpft. Das Schicksal all dieser Menschen miteinander in Verbindung zu bringen, erscheint absurd, aber es ist der einzige Weg, eine Verschwörung von globalem Ausmaß zu vereiteln.

Am 18. November 1978 wird bei »Jonestown« (Guyana) Leo Ryan ermordet, ein Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses. Nur Stunden später sterben in der Dschungelsiedlung 913 Angehörige einer religiösen Gruppe, die sich »Tempel des Volkes« nennt. Angeblich handelt es sich um kollektiven Selbstmord. Jerry kennt die Wahrheit. Ihre Eltern werden getötet. Doch sie überlebt das Massaker.

Siebenundzwanzig Jahre später ist aus dem kaum sechsjährigen Mädchen von damals eine angesehene Anthropologin geworden.  Yeremi Bellman wird vom Dekan ihrer Fakultät in Berkeley (Kalifornien) dazu eingeladen, eine Expedition in den Dschungel von Guyana zu führen, um dort nach den »weißen Götter« zu suchen. So nennt Professor Stanley A. McFarell die hellhäutigen Ureinwohner Amerikas, die lange vor Christoph Kolumbus den amerikanischen Kontinent erreicht und ihm ihre Kultur gebracht haben sollen. Nach anfänglichem Zögern - ihre traumatischen Kindheitserlebnisse lasten wie ein dunkler Alptraum auf Yeremi - nimmt sie McFarells Angebot an. Jefferson Flatstone, der Chef von Stheno Industries, glaubt, die weißen Götter seien empathische Telepathen gewesen, hätten also die Gefühle anderer Menschen erkennen und sogar manipulieren können. Vom therapeutischen Aspekt her seien solche Fähigkeiten im 21. Jahrhundert gefragter denn je. Der Industrielle hoffe darauf, im Regenwald Überlebende der weißen Götter zu finden.

Yeremi reist mit einem Team von Wissenschaftlern nach Guyana, darunter auch Al Leary, ein Psychologe, mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit hat. In der Studienzeit waren beide befreundet, bis ein Vorfall, über den sie nicht spricht, zu einem Bruch führte. Jetzt arbeitet er für Flatstone. Die Wissenschaftler dringen in den »Garten Gottes« vor, wie Yeremi den Dschungel nennt. Dort stoßen sie auf einen hellhäutigen Mann, der im tödlichen Kampf mit einem schwarzen Jaguar ringt. Der Weiße wird, wenn auch verletzt, gerettet. Alles was er am Körper trägt, ist eine Art Wickelrock und eine bunte Perlenhalskette mit einem goldenen Anhänger, der ein Katzentier darstellt. Yeremi glaubt derartige Goldschmiedearbeiten von den indianischen Ureinwohnern Perus zu kennen. Aber diese blonde Mann ist kein Indianer.

Bild von Machu Picchu in Originalgröße bei pervan.de

Machu Picchu. Die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Peru wiederentdeckte Inka-Stadt birgt ein fantastisches Geheimnis.  (Foto: Copyright by Norbert Scherer 2001).

Sein Name laute Saraf Argyr, erklärt der Fremde in einer alten indianischen Sprache, nachdem er die Besinnung wiedergewonnen hat. Er gehört zum »Silbernen Volk«, zu den von Flatstone und McFarell gesuchten »weißen Göttern«. Die Hoffnungen der Wissenschaftler erfüllen sich: Sarafs Sippe besitzt den Silbernen Sinn, kann also in den Gefühlen anderer Menschen nicht nur lesen wie in einem Buch, sondern auch wie in ein solches »schreiben«.  Nach anfänglichem Zögern führt der Silbermann die Forscher zum Höhlenversteck des kleinen Volkes, dessen Hüter er ist. Aber dann geschieht ein furchtbares Unglück. Die »weißen Götter« werden von einer mysteriösen Seuche hingerafft, nur einer überlebt. Als er gegenüber Yeremi beteuert, gelbe Geister hätten sein Volk getötet, ist sie zunächst skeptisch. Aber dann nimmt sie ihn heimlich mit nach San Francisco, in eine für den Silbermann fremde Welt. Die Suche nach den Mördern seines Volkes, gerät für Yeremi bald zu einer Expedition ins eigene Ich. Sie muss sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen, sondern stößt darüber hinaus auf lange verschwiegene Geheimnisse ihrer Familiengeschichte. Bald werden der Silbermann und sie selbst zu Gejagten. Sie stoßen Türen auf, die nie geöffnet werden, und rühren an Geheimnisse, die kein Außenstehender je hätte erfahren sollen....

 

Info 

Hintergrundinformationen zum Thema »Sprachverlust«

Das »Jonestown-Massaker«

Am 18. November 1978 sterben über neunhundert Mitglieder des »Tempels des Volkes« (Peoples' Temple) in Jonestown, einer Siedlung im Dschungel von Guyana. Später wird man behaupten, die meisten seien dem Aufruf ihres geistigen Führers Jim Jones gefolgt und hätten sich selbst umgebracht. Bei einigen lässt Jones allerdings nachhelfen. Nicht zu seinen Anhängern, aber zu den Ermordeten gehört auch Leo Ryan, ein Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses, der Jonestown wegen Verdächtigungen im Hinblick auf Menschenrechtsverletzungen gerade einen Besuch abstattet. Nur etwa achtzig Personen überleben das sogenannte Jownstown-Massaker.

Das Committee on Foreign Affairs des US-Repräsentantenhauses (heute Committee on International Relations) stellte eine Untersuchung der Todesumstände von Congressman Leo Ryan an. Viele der zusammengetragenen Dokumente wurden als geheim eingestuft (Klassifizierung: »Remained inaccessible for the intervening decades to scholars, individuals who lost family members at Jonestown, and the general public.«). Eine Gruppe von Wissenschaftlern ersuchte das Repräsentantenhaus um die Freigabe der Dokumente. Anlässlich des zwanzigsten Todestages von Ryan hielten die Gelehrten am 18. November 1998 in Washington eine Pressekonferenz ab, auf der Dr. Gordon Melton vom Institute for the Study of American Religion sagte:

"Zwanzig Jahre danach scheint es keine zwingenden Gründe der nationalen Sicherheit oder nationaler Interessen zu geben, die Dokumente länger geheim zu halten ... Es ist unsere Überzeugung, dass die Zeit gekommen ist, diese Dokumente freizugeben, sodass eine gründlichere Beurteilung dessen, was wirklich in Jonestown passiert ist, erreicht werden kann. Unser Verständnis der Jonestown-Todesfälle wird immer noch behindert durch die fehlende Verfügbarkeit zahlreicher Schlüsseldokumente, welche die Situation in Jonestown kurz vor und während des Besuches von Congressman Ryan, die Beziehung des Außenministeriums zur Jonestown-Gemeinde und die geistige Verfassung des Führers des ?Tempels des Volkes', Reverend Jim Jones, erhellen würde."

Einige Personen glauben, dass der »Tempels des Volkes« ein experimentelles Labor war, das vom und für den CIA unterhalten wurde, um Techniken der Gedankenkontrolle zu perfektionieren. Bis heute gibt es keine überzeugen-den Beweise für derartige Spekulationen (teilweise Copyright by  B.A. Robinson © 1995 to 2000 inclusive by the Ontario Consultants on Religious Tolerance; für den kompletten englischen Text klicken Sie hier).

Übersetzungen

Die Übersetzungen in den mit Neu gekennzeichneten Sprachen befinden sich derzeit noch in Arbeit und werden demnächst erscheinen.

  • Japanisch
  • Tschechisch

Der Silberne Sinn (japanisch)Japanisch (2008)

Stribrny SmyslTschechisch (2007)

 


Letzte Änderung: 1.1.2014
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