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Ach! Der Krieg! Der Krieg!
Wenn man ihn, wie ich, aus der Nähe gesehen hat, 
kann man nur tiefe Abscheu vor ihm haben.
Er ist die schlimmste Geißel der Menscheit und
sicher muss man alles tun, um ihn zu vermeiden.

Helmuth Graf von Moltke
Preußischer Generalfeldmarschall

Das Echo der Flüsterer

Warum ein Buch über die Kubakrise?

Geschichte gilt gemeinhin als trocken. Doch wie beim Essen kommt es auch hier darauf an, wie die Mahlzeit angerichtet wird. Der Schauspieler Antony Hopkins sagt in Steven Spielbergs Film »Amistat« in einer Szene, die vor dem Obersten Bundesgericht spielt: »Das, was wir sind, ist das, was wir waren.« Um unsere Gegenwart zu begreifen, müssen wir uns also rückwärts wenden und aus unserer Vergangenheit lernen. Nur so können wir unsere Zukunft auf eine Weise gestalten, die besser ist als die Fehler, die im Buch der Geschichte aufgezeichnet sind.

Das Echo der Flüsterer

Das Echo der Flüsterer (Schutzumschlag der Erstausgabe von 1998)

Unter diesem Gesichtspunkt hielt ich die Kubakrise, die im Oktober 1962 ihren Höhepunkt erlebte, für ein äußerst faszinierendes Kapitel im Buch der Menschheitsgeschichte. Fünf Jahre bevor Hollywod das Thema für sich entdeckte - der Film Thirteen Days mit Kevin Costner lief im Frühjahr 2001 auch in unseren Kinos - wagte ich mich an eine schwierige Aufgabe: Die Verknüpfung einer phantastischen Handlung mit den hoch brisanten Ereignissen des Jahres 1962. Damals stand die Welt an einem Abgrund, sie wäre "beinahe untergegangen" (John Somerville). Nicht nur jungen Menschen können aus den damaligen Ereignissen viel lernen. Sie zeigen uns, der rote Knopf für den Atomkrieg liegt in den Händen von ganz normalen Menschen. Menschen, die Fehler machen. Menschen, die Schwächen haben. Menschen, die sich irren können. Wer die Fakten der Kubakrise kennt, sieht das "Prinzip der (nuklearen) Abschreckung", dem selbst heute noch viele einflussreiche Männer verhaftet sind, mit anderen Augen.

1962 wäre die Welt beinahe untergegangen.

Atomwaffentest vom 25.5.1953 in NevadaWie dicht die Menschheit damals an ihrer Auslöschung durch einen Atomkrieg stand, hat die Weltöffentlichkeit teilweise erst durch die Deklassifizierung geheim eingestufter Dokumente erfahren - dreißig Jahre nach der Kubakrise! Solche Dokumente, sowohl US-amerikanische als auch sowjetische, haben mir bei den Recherchen zum Echo der Flüsterer wertvolle Dienste geleistet. Die USA erfuhren, um nur ein Beispiel zu nennen, erst im Januar 1992 auf einer Konferenz in Kuba durch den sowjetischen General Anatoly Gribkow, dass zusätzlich zu den sowjetischen ICBMs (intermediate-range ballistic missiles, also Mittelstreckenraketen) neun taktische Raketen in Kuba aufgestellt worden waren, die im Falle einer US-amerikanischen Invasion eingesetzt werden sollten. Diese mit nuklearen Sprengköpfen ausgestatteten Luna-Raketen standen unter dem Befehl sowjetischer Offiziere in Kuba. Diese besaßen die Autorität , die Waffen im Ernstfall ohne weitere Abstimmung mit dem Kreml abzufeuern! Der Oberfehl über das sowjetische Truppenkontingent - und damit der Schlüssel für die taktischen Nuklearraketen - lag in der Hand von Armeegeneral Issa A. Plijew. Später sagte McNamara, dass auf einen sowjetischen Angriff mit Atomraketen ohne Frage eine nukleare Erwiderung der USA gefolgt wäre. Das wäre der Anfang eines Atomkrieges gewesen.

Zuallererst ist natürlich auch Das Echo der Flüsterer ein spannendes Phantagon, in dem die Phantastik einen breiten Raum einnimmt.

Die USA wussten 1962 nicht: Neun nuklear bestückte Mittelstreckenraketen der Sowjets waren längst einsatzbereit. Ein Angriff auf Kuba hätte unweigerlich einen Atomkrieg heraufbeschworen.

Info 

Hintergrundinfos zur Kubakrise

Die Kubakrise

Um Das Echo der Flüsterer zu realisieren, musste ich umfangreiche Recherchen betreiben. Eigentlich habe ich 1997/98 vor und während der Erstellung des Romans noch ein Sachbuch geschrieben. Unter anderem erstellte ich eine Chronologie der Ereignisse, Listen aller wichtigen beteiligten Personen und ich analysierte die möglichen Beweggründe John F. Kennedys, Chruschtschows und ihrer Berater. Wer sich einen Einblick in einige dieser Hintergrundinformationen verschaffen will, für ich die keinen Anspruch auf historische Vollständigkeit reklamiere, kann sich die entsprechende PDF-Datei herunterladen. Klicken Sie hier!

Inhalt

Wir sagen, wir seien von der Muse geküsst, aber in Wirklichkeit kommen viele unserer genialen wie auch verabscheuungswürdigen Einfälle von den Flüsterern. Die hochherzigen Bonkas regen uns zu guten, die boshaften Malkits dagegen zu grässlichen Gedanken an. Tief unter dem Bermudadreieck befindet sich ihr Reich Azon, die Welt unter dem blauen Kristall. Im Jahre 1962 wollen die hinterhältigen Malkits endgültig die Verbindung zwischen den Menschen und Azon kappen. Weil sie dazu die Macht der Atombombe brauchen, schwören sie in Kuba eine Krise herauf, an deren Ende leicht die Zerstörung alles Lebens auf der Erdoberfläche stehen könnte. Ohne davon zu wissen, läuft der Waisenjunge Jonas zur selben Zeit in Florida aus dem Haus seiner Großeltern davon. Als er ein Baby war, sind seine Eltern über dem Bermudadreieck verschollen. Doch Jonas glaubt nicht an ihren Tod. Er will herausfinden, was damals wirklich geschehen ist. Als er sich in einem Flugzeug versteckt, wird er unfreiwillig zum blinden Passagier. Die Maschine steuert geradewegs auf die Position zu, an der seine Eltern vor Jahren verschwunden sind. Unvermittelt wird das Flugzeug von einem gewaltigen Meeresstrudel wie von einem Magneten angezogen. Jonas ahnt weder, wessen Hilferuf ihn da unter den Meeresgrund zieht, noch ist ihm seine Rolle im Wettstreit die Flüsterer bewusst. Aber er muss schon bald erkennen, dass er sich auf einer Reise befindet, die er sich selbst in seinen kühnsten Phantasien nicht hätte vorstellen können ...

Aus Azon, der Welt unter dem blauen Kristall, inspirieren uns die Flüsterer. Leider haben die Menschen nicht nur im Guten auf sie gehört. 

Das Gesetz des blauen Kristalls

"Warum hast du das getan? Wie bist du denn darauf gekommen?" Erstaunte Fragen wie diese werden oft gestellt, wenn wir Dinge tun, die niemand von uns erwartet hat. Um so mehr trifft dies zu, wenn jemand wie aus heiterem Himmel einen wahren Geniestreich vollbringt. Aber wer ist denn das Genie, das seinen Schabernack mit ihm treibt, wer die Muse, die ihn küsst? Gelegentlich vollbringen Menschen auch Greueltaten, die so unmenschlich, so unbegreiflich sind, dass man behauptet, der Teufel hätte sie geritten. In meinem Roman Das Echo der Flüsterer geht es um diese unerwarteten Taten, im Guten wie im Bösen. Darin spiegelt sich das "Gesetz des blauen Kristalls".

Die Bewohner Azons, der Welt unter dem blauen Kristall, sind die Flüsterer. Sie raunen den Menschen jene Dinge zu, die manchmal genial, gelegentlich aber auch abscheulich sind. Damit geben sie aber nur das zurück, was sie einst von der Erde empfangen haben. Der blaue Kristall nämlich, der vor undenklichen Zeiten als Meteorit auf die Erde fiel, besitzt Eigenschaften, welche die optischen Fähigkeiten jedes anderen Kristalls übersteigen: Er erzeugt nicht nur ein Abbild der Erde, er erschafft eine neue, eigenständige Welt. So wie ein Kristall das Licht, das ihn durchdringt, verändern mag, so ist auch Azon ein verändertes Abbild der Erde - manche Dinge sind dort kleiner, größer, oder auch so verzerrt, dass sie wie völlige Neuschöpfungen aussehen. Wenn Azons liebenswerte Bonkats und seine boshaften Malkits die Menschen mit ihrem Flüstern beeinflussen, erhalten sie dadurch in Wirklichkeit nur einen endlosen Kreislauf aus Wirkung und Gegenwirkung aufrecht.

Der Mensch entscheidet selbst, ob er den Weg des Guten oder Bösen gehen will. Die Bewohner Azons geben uns nur das zurück, was sie einst von der Erde empfangen haben.

Das "Gesetz des blauen Kristalls" - das Naturgesetz, das Azon und Erde miteinander verbindet - wirkt in Wahrheit in uns allen. Wir wachsen in einer Umwelt auf, deren Abbild wir sind. Jede unserer Beurteilungen - und wenn sie uns auch noch so objektiv erscheinen - sind in Wirklichkeit ein Produkt unserer persönlichen Erfahrungen und der damit verbundenen Gefühle und Erkenntnisse. Was der eine unmöglich findet, ist für den anderen das Normalste von der Welt. In diesem Zusammenhang sind Sigmund Freuds Ausführungen über das "Projizieren" interessant. Er gebrauchte diese Begriff im Zusammenhang mit Eigenschaften, die wir bei uns selber zu verdrängen versuchen, sie aber - oft in anprangernder Weise - anderen unterstellen. Sind die haarsträubenden Äußerungen von Intoleranz, die wir überall um uns herum beobachten, nicht vielleicht auch nur eine Projektion unserer eigenen Unzulänglichkeit auf andere Personengruppen oder Nationen zuzugehen? Am augenfälligsten scheint sich diese Vermutung in der immer wieder zu beobachtende Doppelmoral zu bestätigen: Da wird der Politiker, den man eines Meineids überführt, verurteilt, während man selbst gerade seine Steuererklärung frisiert (und damit auch noch prahlt); da verteufelt man die Journalisten, die einem Prominenten den letzten Zipfel Privatsphäre entreißen und wartet gleichzeitig ungeduldig auf die neuesten Sensationsbilder in Fernsehen und Presse. Die Medien verteidigen sich natürlich: "Wir liefern nur das, was der Konsument von uns haben will." So entstehen Meinungen. Der eine hört sowieso nur auf das, was in sein vorgeprägtes Weltbild passt, und der andere liefert ihm Text und Bilder dazu. Die meisten unserer Mitmenschen haben längst damit aufgehört, die Welt zu entdecken - sie lassen entdecken. Dass dabei wenig Neues herauskommt, liegt auf der Hand. Meinungen werden pauschalisiert, Vorurteile ebenfalls. Nationale, ethnische, religiöse und soziale Gruppen werden nach dem Mehrheitsprinzip verwünscht oder verwöhnt - wir leben ja in einer Demokratie.

Das "Gesetz des blauen Kristalls" wirkt in Wahrheit in uns allen, denn niemand kann sich völlig dem Einfluss seiner Umwelt entziehen.

Jonas, der Held meiner Geschichte, ist nicht so. Er trägt das Vermächtnis seiner Mutter, einer im Dritten Reich verfolgten Jüdin, in sich. Was er tut, macht er nicht, weil eben alle es tun - damit haben die Menschen einander schon zu viel Leid angetan. Sein Handeln richtet sich auch nicht nach der Maxime, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Dennoch ist er kein Eigenbrötler, wie manche es ihm unterstellen. Er empfindet Gefühle für seine Mitmenschen und bringt diese auch zum Ausdruck - ein Verhalten, das man heute immer seltener antrifft. Auch die Umwelt ist ihm nicht egal, ganz im Gegenteil. Aus seiner engen Verbundenheit mit den Everglades in Florida und den darin lebenden Tieren, gewinnt er eine innere Kraft, die den meisten seiner Zeitgenossen fehlt. Diese Eigenschaften prädestinieren Jonas dazu, das "Gesetz des blauen Kristalls" zu bestätigen. Er nimmt das Gute der Flüsterer auf, anstatt sich vom Sog der allgemeinen Meinung fortreißen zu lassen. Aber er gibt auch etwas von sich zurück. Dabei benutzt er seinen klaren Menschenverstand. Und er benutzt sein Herz.

Jonas, der Held meiner Geschichte, nimmt das Gute auf, anstatt sich vom Sog der allgemeinen Meinung fortreißen zu lassen. Aber er gibt auch etwas von sich zurück. Dabei benutzt er seinen klaren Menschenverstand und sein Herz.

Ausgewählte Quellen

Weil es vorkommt, dass Internet-Links völlig ihren Inhalt ändern - manchmal zum Schlechteren -, sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich auf die in der Haftungsklausel aufgeführten Einschränkungen hingewiesen.

  1. Die Vereinigten Staaten von Amerika seit 1917; Erich Angermann, erschienen in der Reihe "dtv wissenschaft" beim Deutschen Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1966
  2. The National Security Archive, The Gelman Library, George Washington University, 2130 H Street, NW, Suite 701, Washington, DC 20037 (Phone: 202-994-7000, Fax: 202-994-7005, Internet: nsarchiv@gwis2.circ.gwu.edu); Website: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/nsa/cuba_mis_cri/ cuba_mis_cri.html
  3. Dreizehn Tage : Wie die Welt beinahe unterging; Robert Kennedy, Verlag Darmstädter Blätter, Darmstadt 1987 (Titel des engl. Originals Thirteen Days. A Memoir of the Cuban Missile Crisis; Robert F. Kennedey, New York, 1969)
  4. Jack & Jackie : Die Kennedeys - Traumpaar im Zentrum der Macht; Edward Klein; Rütten & Loening, Berlin, 1997
  5. John F. Kennedey; JFK-Biographie von J. Schwelien
  6. Washington Post, Artikel: "Small Missiles Heightened Peril in 1962 Cuban Crisis", 14. Januar 1992
  7. History of the Jupiter Missile System; James N. Grimwood und Francis Strowd, July 27, 1962, verfügbar in der Mikrofilmsammlung "The Cuban Missile Crisis, 1962" des US-amerikanischen National Security Archive
  8. Memorandum of Conference with the President; 6. Juni 1959, verfügbar in der Mikrofilmsammlung "The Cuban Missile Crisis, 1962" des US-amerikanischen National Security Archive
  9. Der Kreml im Kalten Krieg - Von 1945 bis zur Kubakrise; Wladislaw Subok, Konstantin Pleschakow; Claassen Verlag, Hildesheim, 1997
  10. Tactical Nuclear Weapons; Blight, Allyn und Welch, Kramer vs Kramer.
  11. Der gute Benito; Alan Li.htman; Wilhelm Heyne Verlag, München 1998
  12. Die Grosse Enzyklopadie der Vögel; Mosaik Verlag, München, 1992
  13. Amerikanische Kongress-Bibliothek; http://lcweb.loc.gov/exhibits/archives/colc.html
  14. Südflorida selbst entdecken; Fatima Igramhan-Parsons, Regenbogen Verlag, Zürich, 1994; ISBN 3-85862-081-5
  15. Florida entdecken & erleben; Thomas Jeier, Herausgeber abenteuer & reisen/WDV Wirtschaftsdienst, Mairs Geographischer Verlag, München, 1994; ISBN 3-89525-021-X
  16. GEO SPECIAL Florida, Nr. 1/Februar 1997, Gruner + Jahr AG & Co, Hamburg, 1997; ISBN 3-570-19099-4
  17. Florida; Jürgen Betz, Horst-Eckart Gross; Verlag C. J. Bucher GmbH, München, 1985, 1988, 1991; ISBN 3-7658?0733-8
  18. Das Flugzeug - 1000 Fotos; Text von François Gross, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, ISBN 3-86070-287-4
  19. Encyclopædia Britannica; 15th Edition, Encyclopædia Britannica; Inc., Chicaco, 1989, ISBN 0-85229-493-X
  20. Das Tier - Biologie für Gymnasien; Sammelband, Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1968
  21. DUDEN Lexikon der Vornamen; Bibliographisches Institut (Dudenverlag), Mannheim 1974
  22. Fahrplan der Naturwissenschaften : Ein chronologischer Überblick; Alexander Hellemans, Bryan Bunch; Droemer-Knaur, München 1990
 


Letzte Änderung: 1.1.2014
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